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34 Kommentare

  1. Gerhard Bartels

    Ich bin sehr traurig, dass wir Mitglieder der evang. Kirche nicht diekt befragt wurden, ob wir den Reformationstag als Feiertag sinnvoll finden würden. Ich finde das ist eine vertane Chance, etwas mehr Demokratie in die „Kirche“ zu bekommen.
    Weiterhin meine ich, ein Feiertag kann nur ein sinnvoller Tag sein, wenn er anderen religiösen Gruppierungen kein Ärgernis ist. In diesem Fall sieht es eher nach Provokation aus.
    Weiterhin sehe ich gesellschaftlich keine Notwendigkeit: immer weniger Menschen bekennen sich zu einer Religion, immer mehr nehmen freie Tage aus religiösen Gründen zum Anlass , Freizeit zu verbringen mit Reisen, Einkaufen in benachbarten Ländern ohne diesen Feiertag usw., jedoch nicht zum Anlass, die Gottesdienste oder kirchlichen Angebote zu nutzen. In meiner Gemeinde war die Kirche zum letzten Reformationstag sehr leer. Das wir sich sich auch durch durch einen generellen freien Reformationstag nicht ändern.
    Also: wir brauchen ihn nicht und sollten auch vehement dafür eintreten, ihn nicht zu bekommen.

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  2. Ralph Beerbom

    Ich bin dafür das der Reformationstag ein Feiertag in den mehrheitlich evangelischen Bundesländern wird. Insbesonders in Niedersachsen, da die nördlich angrenzenden Bundesländer ebenfalls dieses beschlossen haben. Wer kritisiert eigentlich einmal die südlichen, katholisch geprägten Bundesländer ? Hier gibt es mehr kirchliche Feiertag die auch gelebt werden. Ich finde die evangelische Kirche kann, darf uns soll sich nicht immer so klein machen. Die Zeit der Reformation hatte auch viel gutes bewirkt. Ich bin froh das Luther damals es geschafft hat die Kirche usw. zu spalten. Mit dem wissen von heute kann man nur sagen, das es gut war gegen das vorzugehen, was Adel und katholische Kirche damals im Namen Gottes alles bestimmt haben. Aber es darf auch nicht alles schön geredet werden, was Luther gemacht hat. Das ganze war damals und ich als evangelisch Gläubiger junger Mensch lebe heute und möchte in Zukunft leben und nicht immer mit den Fehlern der Vergangenheit konfrontiert werden. Das was generell alles im namen eines jeden Glauben in der Welt getan wird und wurde (ISS, Palästina, Kreuzzüge, Besiedlung in Amerika, Kolonialmacht in Afrika) ist schlimm genug. Keine Religion ist fehlerfrei und hat eine reine Vergangenheit.
    In der Bibel steht irgendwo und Jesus sagte es auch…. du sollst verzeihen… das bedeutet für mich vor allem in die Zukunft schauen. Dazu gehört auch die Reformation als neue Chance unserer Gesellschaft zu sehen für alle Glaubensrichtungen. Nicht nur das was Lutherin Wort geschrieben haben. Vielmehr seine Botschaft, die ich für mich interpretiere… Altes aufbrechen und neue Wege gehen. Auch gemeinsam mit anderen Glaubensrichtungen…. Toleranter sein.
    Momentan habe ich das Gefühl, das alle anderen Glaubensrichtungen sich nur benachteligt fühlen wegen einem evangelischen Feiertag mehr. Macht euch dann doch bitte genauso öffnetlich stark, für das kürzen von zwei katholischen Feiertagen im Süden/Westen. Versucht mal bitte als Norddeutsche an Fronleichnam und Mariä Himmelfahrt plus ggf. Brückentage jemenden in der Industrie dort zu erreichen. Entsteht hier kein wirtschaftlicher Schaden, wie so oft in Zusammenhang mit dem Reformationstag gesagt prognotiziert wird.
    Also Pro Reformatinstag als Feiertag. Für mehr toleranz und ökonomie unter den christlichen Kirchen.

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  3. Emmelius, Johann-Christoph

    Ich glaube nicht, dass wir in Niedersachsen einen zusätzlichen staatlichen Feiertag nötig haben. Ein solcher würde nach allen vorliegenden Erfahrungen mit Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten mit großer Sicherheit nicht zur Besinnung und Orientierung, sondern nur zum Biertrinken und Bratwurstessen genutzt werden.
    Abgesehen davon halte ich die Wahl des Reformationstags für unglücklich. Ein neuer Feiertag sollte Katholiken und Protestanten, Christen und Anhänger anderer Religionen, religiöse und indifferente / religionslose Menschen gleichermaßen ansprechen können. Das kann der Reformationstag nicht. Außerdem gilt aktuell: Nach 10 Jahren Lutherdekade und nach den Feierlichkeiten des Jahres 2017 ist in Sachen Reformation eine gewisse Übersättigung erreicht. Die sollte nicht noch vergrößert werden.
    Wenn unbedingt ein neuer staatlicher Feiertag eingeführt werden sollte, plädiere ich für den 23. Mai oder den 9. November. Oder es wird die Regel eingeführt, dass jeder Arbeitnehmer einen frei wählbaren zusätzlichen Urlaubstag beanspruchen kann.

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  4. Dr. theol. Herbert Koch, Superintendent i.R.

    Es ist zu erwarten, dass der Reformationstag als Feiertag nur rückwärtsgewandten Jubiläumscharakter haben wird, wie es im ganzen Jahr 2017 ganz überwiegend der Fall war. Und die EKD wird auf die Ökumene dabei Wert legen, wobei esnicht um theologische Wahreitfragen geht, sondern um die gemeinsame Interessenwahrnehmung einer evangelisch-katholischen Kirchen-Gro-Ko gegenüber dem Staat.
    Ich bin für den „Tag des Grundgesetzes“ als Feiertag. Er würde auch die Kirchen immer wieder herausfordern, sich zur freiheitlichen Demokratie zu bekennen. Das ist nicht so selbstverständlich, wie man gern den Anscheinerweckt. Denn die lobbyistisch erstrittene Rechtslage ist so beschaffen, dass die Kirchen in ihrer eigenen Rechtsstzung – obwohl Körperschaften des öffentlichen Rechts! – an die Werte und Normen des Grunsdgestzes nicht gebunden sind! Man stelle sich vor, dass die Islamverbände Gleiches für sich beanspruchen würden!

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  5. Martin- Lothar Sauer

    / Sowohl Einrichtungen in der Diakonie als auch in der Caritas begrüßen den Reformationstag als künftigen gesetzlichen Feiertag.
    / Luther hat Wesentliches zur Entwicklung der deutschen Sprache beigetragen. Menschen des 21. Jahrhunderts können beim Reformator auch auf diesem Gebiet immer wieder Neues entdecken für künftige Sprachentwicklungen in unserer Muttersprache.
    / Selbstverständlich gab es beim späten Luther die dunklen Seiten. Doch wer ist schon ohne Sünde? Jüdische Freunde von uns können sich genauso mit dem Reformator auseinandersetzen. Sollte das nicht gerade eine zukünftige Herausforderung für Christen und Juden sein?

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  6. Hartwig Hohnsbein

    Den „Reformationstag“ auch in Niedersachsen als neuen gesetzlichen Feiertag einzuführen, halte ich für völlig unangemessen, weil er, wie in der Tradition so auch im vergangenen „Lutherjahr“ zur Personalisierung und dadurch zu einer Heroisierung Luthers geführt hat mit Luther-Musical, Luther-Bier, Lutherkeksen, Lutherglas, Lutherlutscher, über einer Millionen Playmobil-Lutherfiguren und weiteren Geschmacklosigkeiten. Dabei sollten uns Luthers Schandschriften gegen die Juden, von denen die Schrift von 1543 „Von den Jüden und ihren Lügen“ -mit ihren 121 Seiten in WA 53 eine seiner umfangreichsten theologischen Schriften überhaupt- wohl die widerwärtigste ist, die Augen dafür geöffnet haben: Einen Reformationstag als gesetzlichen Feiertag, an dem, wie auch immer, die Person Luthers zu fragwürdigen Ehren kommt, darf es nach unserer Geschichte von 1933-45 nicht geben. Besagte Schrift, die mit ihren 7 Ratschlägen gegen „das verdampte Volk der Juden“ (so im Text) eine Blaupause für ein Vernichtungsprogramm abgibt, wurde nach 1933 z.B. von dem Pastorensohn Hans Ludolf Parisius als „Volksausgabe“ als auch von dem lutherischen Landesbischof Martin Sasse massenhaft herausgegeben, so dass sie damals nach dem „Kleinen Katechismus“ die wohl weitverbreiteste Schrift Luthers war. Karl Jaspers hat dazu in seiner Schrift „Philosophie und Welt“ (1958, S. 162) geschrieben: „Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahmen der direkten Tötung durch Gaskammern“.
    Aber es war nicht nur Luthers a) Antijudaismus, der in der Geschichte weiterwirkte, es waren auch b) seine Ablehnung der Bauern (besser: des „Gemeinen Mannes“) und seine Hinwendung zu einem freiheitsfeindlichen Obrigkeitsstaat, c) sein geradezu wahnwitziger Kampf gegen „Zauberinnen“/“Hexen“), d) sein Vernichtungswille gegen Behinderte, e) seine Geringschätzung der Frauen, auch seiner eignen Frau Käthe, f) seine Verachtung der „Vernunft“- die den „Reformationstag“ als gesetzlichen Feiertag ausschließen sollten.
    b) Mit seiner Schrift von 1520 „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (WA 7) hatte Luther Hoffnungen geweckt, z.B. bei den Bauern, nun würden auch sie aus ihrer menschenunwürdigen Unterdrückung befreit, doch seine Antwort auf ihre mit „demütiger Bitte“ vorgetragenen „12 Artikeln“ war in seiner Schrift „Ermahnung zum Frieden auf die zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben“ (WA 18, 277ff) für sie enttäuschend, weist er doch ihr Freiheitsbegehren als „ganz fleischlich“ zurück, z.B. ihre Vorstellung nach Aufhebung der Leibeigenschaft als „stracks widder das Euangelion und Reübisch“. „Damit eyn iglicher seynen leyb, so eygen worden ist, seynem herren nympt“.“Dieser Artikel (gemeint: Artikel 3 der Bauern, H.H.) will alle Menschen gleich machen“…Doch „weltlich Reich kann nicht stehen, wo nicht Ungleichheit ist, in Personen, dass etliche frei, etliche gefangen, etliche Herren, etliche Untertanen“ (S.326f). Die Folgen daraus kann man erfahren aus Luthers blutrünstiger Schrift etwas später “ Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“, 1525, in WA 18).
    c) Die Ausfälle Luthers gegen „Hexen“ in seinen Predigten, Vorlesungen, Tischreden kann man nun nachlesen in dem Lesebuch „Luthers Hexenpredigten“ (2017f). Besonders berüchtigt ist seine Predigt im Mai 1526 (WA 16), wo er S. 551f die Zuhörer gleich dreimal auffordert: „Sie sollen getötet werden“, wobei er, wie er später (1538) erklärt, nicht zurückstehen will: „Ich wolte sie selber verprennen“(WA TR IV, S.51f,3979). Seine Haltung trug dazu bei, dass auch in den meisten lutherischen Territorien Hexenprozesse exzessiv durchgeführt wurden, z.B. auch im Kloster Loccum, wo der Pastor Heinrich Rimphoff aus Wiedensahl, der „Hexenriecher“, dabei tätig war. In seinem 561seitigen Hauptwerk „Drachenkönig…“ (1647/8), das man den „lutherischen Hexenhammer“ nennen kann, beruft er sich immer ieder auf Luther.
    d) Behinderte Kinder waren nach Luther „Wechselkinder vom Teufel“, „nur ein Stück Fleisch, da keine Seele innen ist“. Anläßlich eines Besuches 1532 bei den Fürsten zu Anhalt traf er zuvor ein solches „Wechselkind“ und sagte später den Fürsten: „Wenn ich da Fürst oder Herr wäre, so wollte ich mit diesem Kinde in das Wasser, in die Molde, so bei Dessau fleußt, und wollte das homicidium“ (d.h. Ermordung, ) „dran wagen“ (WA TR V, S. 9).- Luthers Ratschlag wurde nicht vergessen: Als Hitlers Euthanasiebevollmachtigter Karl Brandt 1943 mit dem Leiter der „von Bodelschwingschen Anstalten“ im Berliner Schloss Bellevue zusammentraf, „fiel der Hinweis, dass ein Mann wie Luther der Auffassung war, man muss derartige missgeborene Kinder ertränken“ (Ernst Klee, „Eeuthanasie im NS-Staat“, 1986, S. 423).
    e) Zur Geringschätzung der Frau- frau würde heute von „Sexismus“ sprechen und würde in einer /-/MeTooAktion dagegen angehen- siehe z.B.: WA WA TR VI, 275; WA 10..2.301; WA TR I, 4 (2) u.v.a.. Besonders schäbig, wie Luther zweimal 1531 in der Tafelrunde mit seinen theologischen Freunden seine Frau Käthe herabsetzt: „Doktor Martinus Luther lachete seiner Käthen, die wollte klug seyn, und sagte:´Gott hat ein Mann geschaffen und gegeben eine breite Brust, nicht breite Hüften, auf dass der Mann an dem Ort kann Weisheit fassen; aber der Ort, da der Unflat herausgeht, kleine sey; welchs an einem Weibe umgekehrt ist. Drüm hats viel Unflats und wenig Weisheit`“ (WA TR II, S. 285).
    f) Die Vernunft kann Luther als etwas Großartiges beschreiben (WA 39,1 175), allerdings v o r dem Sündenfall; danach wurde zu einer „teufels braut“, zu einer „fraw Hulde“, einem „lästerlichen Weib“(WA 18, 164)…
    In einer „Eingabe“ an den Landtag habe ich, schon im November 2017, samt einer kleinen Materialsammlung von Schlüsseltexten Luthers angeregt, nicht den „Reformationstag“ als einen zusätzlichen Feiertag einzuführen, sondern den 23. Mai als „Tag des Grundgesetzes“. Es mag sein, dass dennoch der 31. Oktober zu dem geplanten Feiertag gemacht wird. Auf Grund auch meiner Eingabe wird später niemand aus Regierung und Landtag sagen könnnen, er hätte die auch hier kurz vorgestellten Texte mit ihren z.T. verheerenden Folgewirkungen nicht gekannt. Die Kirchen werden sich darauf einstellen müssen, dass die in den hier vorgetragenen Texten genannten Sachverhalte in Zukunft die Diskussioin zu Luther bestimmen werden- ihre Schatten werden m.E. die verheißungsvollen Ansätze der Reformation von 1517 bis etwa 1525 mehr und mehr verdecken.

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  7. Ursula Heinrichs

    Ich kann schwer nachvollziehen, dass sich unsere Kirchenführung und unser Ministerpräsident so einhellig für den Reformationstag als zusätzlichen Feiertag in Niedersachsen aussprechen. Viel sinnvoller wäre es meiner Meinung nach, den Buß- und Bettag als zusätzlichen Feiertag anzuregen gemäß der ureigenen Bedeutung dieses Tages.
    Umkehr üben , im heutigen Sprachgebrauch das eigene Leben ( für die Christen besonders auch ihr spirituelles Leben ) reflektieren, das wäre für alle Menschen ein sinnvoller Tag mitten in der Woche, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. In den Bildungsinstitutionen wie Kita, Schule etc. könnte man zu diesem Thema arbeiten, bzw. die Kirche mit Gottesdiensten und anderen Angeboten diesen Feiertag begehen.

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  8. Pastorin Anke Döding

    Obwohl Pastorin in der ev.-luth. Kirche bin ich gegen die Einführung des Reformationstages als gesetzlichen Feiertag. Wir Evangelischen können die Errungenschaften der Reformation jeden Tag versuchen zu stärken. Warum einer in großen Teilen säkularen Gesellschaft einen kirchlichen Feiertag aufdrücken, der den Menschen nichts mehr sagt, bzw. ihnen nichts bedeutet? Ganz konkret wäre es fatal, den 31.10. als freien Tag zu installieren, weil der Reformationstag keine Chance mehr gegen Halloween hat (insofern kommt die Diskussion 20 Jahre zu spät).

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  9. Hans-Jürgen Thoms

    Den Wunsch nach einem weiteren Feiertag kann ich grundsätzlich verstehen. Ein 31. Oktober als Feiertag wird allerdings Polizeieinsätze nach sich ziehen. Die Nähe zu Halloween am 30. Oktober wird leider unverbesserliche Menschen dazu bringen die Nacht auf den 31. für Randale zu nutzen. Am nächsten Tag muss man dann ja nicht zur Schule oder zur Arbeit. Letztes Jahr war der 31. Oktober ja einmalig Feiertag. Ich selbst habe es damals in Wolfsburg erlebt, dass von einem unbewohnten Hochhaus Feuerwerkskörper auf den Marktplatz darunter geworfen wurden. Und schon musste die Polizei vor Ort sein. Darüber hinaus wurde in eine angrenzende Schule eingebrochen. Ich befürchte, dass wird dann bei einem ständigen Feiertag am 31.10. die Regel sein.

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  10. Evangelischer Arbeitskreis der CDU in Niedersachsen / Pastor Dirk Heuer

    1. Niedersachsen ist ein durch die Reformation mitgeprägtes Land. In Niedersachsen gibt
    es eine starke Konföderation evangelischer Kirchen (Landeskirchen Hannover,
    Braunschweig, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und die Evangelisch-reformierte Kirche mit
    Sitz in Leer), die sich dem Geist der Reformation verpflichtet weiß. Dieser Geist wirkt bis
    heute an vielen Stätten in Niedersachsen sinn-, kultur- und sozialstiftend.

    2. In den Kirchen der Konföderation sind fast 4 Millionen evangelische Christinnen und
    Christen organisiert. Das sind ca. 50% der Einwohnerschaft Niedersachsens. Sie bringen
    sich und den Geist der Reformation in den unterschiedlichsten Bereichen des
    gesellschaftlichen Lebens in Niedersachsen ein.

    3. Die Evangelischen Kirchen in Niedersachsen und die evangelischen Christinnen und
    Christen engagieren sich insbesondere in den Bereichen Soziales, Bildung und Kultur.
    Diese Bereiche lagen der Reformation denn auch besonders am Herzen.
    Im Sozialbereich erstreckt sich dieses Engagement von zahlreichen diakonischen
    Einrichtungen wie Altenpflegeheimen und Krankenhäusern über soziale Beratungsstellen
    bis hin zu Fairen Kaufhäusern.
    Im Bildungsbereich geschieht die kirchliche Arbeit in zahlreichen Bildungseinrichtungen
    wie Kinderkrippen, Kindertagesstätten, evangelischen Schulen, Akademien und
    Heimvolkshochschulen.
    Im Kulturbereich sind insbesondere die Kirchenmusik mit den vielen Chören und die
    Pflege regionalen (kirchlichen) Brauchtums zu nennen, die vor allem die Vielfalt
    niedersächsischer Kultur darstellen und für die Zukunft erhalten.

    4. Niedersachsen weist eine Vielzahl bedeutender Stätten und Personen der
    Reformationsgeschichte auf.
    So hat z.B. der Theologe Johannes Bugenhagen auf Wunsch des Braunschweiger Rates 1528
    eine neue Stadt- und Kirchenordnung erarbeitet, die dann für ganz Norddeutschland und
    Nordeuropa Vorbild wurde.
    Zu nennen wären auch die Persönlichkeiten, die sich für die Reformation in Niedersachsen
    eingesetzt haben, beispielsweise Ernst der Bekenner im Lüneburgischen oder die
    Herzogswitwe Elisabeth im Calenbergischen.

    5. Die erwähnte sinn-, kultur- und sozialstiftende Kraft evangelischen Glaubens in
    Niedersachsen könnte der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag würdigen und in
    die (virulenter werdende) Debatte über die gesellschaftliche Rolle und Aufgabe der
    christlichen Religion und Kirchen einbringen.
    Ein solcher Feiertag könnte zudem der Selbstvergewisserung und Reflexion des
    evangelischen gesellschaftlichen Engagements in Niedersachsen hinsichtlicher seiner
    Wurzeln und Ziele dienen.

    6. Mit Leben füllt sich der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag, wenn an diesem Tag
    evangelische Christinnen und Christen, die evangelischen Landeskirchen und
    Kirchengemeinden, ihre Einrichtungen und Initiativen, aber auch Schulen, die Städte
    und Dörfer und alle Bürgerinnen und Bürger beherzt die Möglichkeit ergreifen, die
    sinn-, kultur- und sozialstiftende Kraft evangelischen Glaubens in Niedersachsen
    wahrzunehmen und über sie ins Gespräch zu kommen. Eindrücklich gelungen ist dies
    am 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober 2017: volle Kirchen und sehr gut
    besuchte Veranstaltungen zeugen von der Verankerung und Prägekraft evangelischen
    Glaubens in Niedersachsen.

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  11. Jürgen Loest

    Diskussionen machen Sinn, wenn man interessiert ist an Wahrnehmungen, Beschreibungen, Vorschlägen anderer.
    Dann kann ein Meinungsaustausch kreativ werden.
    In diesem Fall haben sich die Kirchenleitungen der 5 Konföderationskirchen klar positioniert. Regionalbischöfe/innen und Oberkirchenrätin haben sich zudem mit einheitlich gestalteten Bild/Text Collagen für eine Werbekampagne zur Verfügung gestellt.
    Ein klares Signal, wo ev.Kirche stehen soll und m.E. auch: dass kein Interesse am Meinungsaustausch besteht.
    Oben als Einleitung: Bischof, die Argumente der Leitung, 6 Werbephotos. Anderslautende Meinungen versteckt in diesem anzuklickenden Forum, in facebook Kommentaren. Das gleiche Bild über viele Tage im social media Überblick auf der Homepage.
    Ein bemerkenswertes Verfahren angesichts dessen, was man 2017 gefeiert hat und inhaltlich anstrebt. Ein Kollege mailte:
    „Selten habe ich mich so katholisch gefühlt wie auf dieser Seite – bevormundet von ganz oben. “
    Ich verabschiede mich aus diesem Pseudo-Forum. Es gibt viel Sinnvolles zu tun.

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  12. Ralf Wellbrock

    Ich schreibe als katholischer Priester, in diesem Blog zu einem Thema, dass wahrscheinlich schon nicht mehr aktuell ist, weil sich die norddeutschen Bundesländer auf den Reformationstag versteigen.
    Inhaltlich gibt es da aber auch sehr gute andere Termine, die Brücken schlagen.

    Wenn wir den Reformationstag als einen guten Termin für einen staatlichen Feiertag sehen, kann man natürlich sagen, wie es in einem Leserbrief in der Zeitung stand, dass es um einen Freiheitsaufbruch geht, dem Mehr an Mündigkeit der Menschen.
    Allerdings wird nun dieser Tag immer ein Tag sein, an dem wir einen Termin feiern an dem es nicht zur Reformation sondern zunächst einmal zu Spaltungen kam.
    Niedersachsen käm dieser Tag gelegen, weil dadurch keine Probleme mit dem Tag Allerheiligen entstünden, an dem die Nordrhein-Westfalen gern in die angrenzenden Städte fahren um einzukaufen.

    Der Buß- und Bettag, den es früher gab, fände ich nicht schlecht. Allerdings gilt es zu bedenken, dass wir dabei andere Konfessionen ausschließen, da es vornehmlich ein protestantischer Feiertag ist. Nichtsdestotrotz ist Niedersachsen ein mehrheitlich so geprägtes Land.

    Es kam die Idee auf den Weltfriedenstag zu nehmen der in Deutschland auf den 1. September fällt, aber als Internationaler Tag des Friedens von der UNO am 21. September gefeiert wird.
    Inhaltlich würde wir mit diesem Datum alle Konfessionen und sogar alle Religionen vereinen können, schließlich ist das ein Thema, dass wohl allen Religionen wichtig ist.

    Aus niedersächsischer Historie war auch schon mal der Tag der Gründung des Landes Niedersachsen im Gespräch. Am 8. November 1946 wurde das Land in seinen Grenzen genau festgelegt (rückwirkend ab 1. November 1946) und diesen Termin wird die Landesregierung sicher nicht wählen. Um die Kaufkraft der Nordrhein-Westfalen in Niedersachsen zu erhalten.

    Ein Termin, der das Christentum noch einmal richtig stärken würde, wäre für mich beispielsweise das Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus am 29.06.. Auch wenn es ein katholisches Heiligenfest ist, ist hier doch die Identifikation aller christlichen Konfessionen möglich.
    Paulus ist der Heidenapostel ohne dessen Einsatz das Christentum vielleicht nie bis zu uns gedrungen wäre.
    Petrus ist der Apostel der durch seinen starken Einsatz, aber auch durch seine menschliche Schwäche uns am nächsten von all den vielen Heiligen ist.
    Paulus ist ein aussagekräftiger Briefeschreiber der kein Blatt vor den Mund nimmt und die Evangeliumsbotschaft überall hin verbreitet.

    Möglich und auch in unserem Sinne gut wäre doch der Internationale Tag der Familien am 15. Mai (UNO). Die Familie ist und bleibt die Keimzelle der Vermittlung von Glauben und Werten. In Zeit der Individualisierung ist die Besinnung auf Familie nicht das Schlechteste.
    Doch frage ich mich, ob der Begriff Familie in unserer Zeit auch für Alleinerziehende mit Kindern wahrgenommen wird.

    In einem Agrar- und Industrieland wie Niedersachsen wäre ein Erntedanktag nicht schlecht, der liegt aber zu nahe am 3. Oktober, so dass das wohl nichts wird.

    Ich wäre froh, wenn wir einen Tag mit christlich verbindendem Inhalt finden könnten. Der Weltfriedenstag oder ein Weltfamilientag sind Tage die einen Wert vermitteln, der nicht zu unterschätzen ist.

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  13. Friedemann Neuhaus

    Ich unterstütze das Anliegen der Landesregierungen von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen, den 31. 10. zum staatlichen Feiertag zu machen, aus drei Gründen:
    1. Die von dem Thesenanschlag am 31.10.1517 ausgelöste Reformation ist ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung und hat vor allem die deutsche Geschichte maßgeblich geprägt. Zu keinem anderen der vorgeschlagenen Feiertage gibt es ein entsprechendes Narrativ, das über Jahrhunderte zur kulturellen Erinnerung der Deutschen geworden ist. Halloween hin oder her. Natürlich ist Luthers Thesenanschlag zu einem mythischen Ereignis geworden. Aber auch hier gilt: Mythen sind fundierende Geschichten, die Orientierung geben und Sinn stiften. (Jan Assmann, Herfried Münkler u.a.). Zweifellos gehört die Reformation zu den Narrativen, die unser Selbstverständnis in Deutschland und Europa geprägt haben, ob in zustimmender (evangelisch) oder in ablehnender (katholisch) Weise. Jede kulturelle Erinnerung braucht Erinnerungsorte wie eben einen solchen Feiertag, der durch seine Unterbrechung des normalen Alltags ins Bewusstsein gehoben wird.
    2. Ohne Zweifel sind die Reformatoren, ob nun in Wittenberg, Zürich oder Genf, nicht die Erfinder der Toleranz gewesen. Und Luther war aufgrund seiner z.T. brutalen Ausdrucksweise besonders hart gegenüber Menschen anderer Meinung. Aber es gibt neben den beabsichtigten Folgen auch unübersehbare unbeabsichtigte Folgen der Reformation, die Toleranz gegenüber andersgläubigen Menschen nach und nach notwendig machten. Sowohl die Lutheraner als das katholische Kaiserhaus mussten im Augsburger Religionsfrieden die Idee einer konfessionell homogenen Universalkirche aufgeben. Da kann der Reformationstag ein jährlicher Anlass sein, das Verhältnis zwischen evangelischer und katholischer Kirche, aber auch zwischen Christen und Nicht-Christen, immer wieder neu zu reflektieren und zu justieren. Das könnte vielleicht auch die berechtigten Bedenken von jüdischer Seite entkräften, hier sollte ein unkritischer Lutherjubeltag begangen werden.
    3. Mein dritter Einwand gegen einen Feiertag, wie z.B. den 8. Mai, ist eher praktischer Natur aus meiner beruflichen Sicht als Lehrer. Wenn im 2. Schulhalbjahr neben dem 1. Mai, dem Himmelfahrtstag und Pfingsten ein weiterer schulfreier Tag den Unterricht unterbricht, wird ein kontinuierliches Unterrichten nach Ostern noch mehr erschwert. Mehr als am Reformationstag würde der 8. Mai nebst einem Brückentag zu einem Ausflug ans Meer einladen und das Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus konterkarieren.
    Dr. Friedemann Neuhaus, Gymnasiallehrer und Kirchenvorstand der ev.-luth. Matthäusgemeinde Osnabrück

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  14. Dr. Stefan Haustein

    P.S. Den Buss- und Bettag alternativ wiedereinzuführen — wie hier wiederholt vorgeschlagen — halte ich aufgrund der mit der Charakterisierung als „stiller Feiertag“ verbundenen Bevormundungskultur für eine noch schlimmere Alternative.

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  15. Dr. Stefan Haustein

    Wir haben bereits genug religiös geprägte Feiertage. Warum kann es nicht mal ein neutraler Feiertag sein, statt die Gesellschaft weiter zu spalten und einem obrigkeitsgläubigen blutrünstigen Hexen-, Bauern- und Judenhasser solch ein Denkmal zu setzen?

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  16. Dirk Woltmann

    Zwei (Haupt-)Argumente sind mir auch nach längerem Lesen nicht einsichtig:

    Argument (1): „Der 31.10. ist eine ökumenische Chance.“ – Die Reaktionen aus der Ökumene und dem interreligiösen Gespräch sagen anderes. Und der 31.10. war auch nicht d e r ökumenische Termin 2017.

    Argument (2): „Der 31.10. ist kein „Luther-Tag“.“ – Ist er doch! Er fokussiert Reformation gerade auf Luther und ein zunächst akademisches Datum am Rande der Welt – und weitet den Blick nicht von sich aus auf die europäische und auf die Mehr-als-Luther-Perspektive. Das muss erst – mühsam – eingetragen werden. – Nebenbei: Das Rennen gegen Halloween ist gesellschftlich nicht mehr zu gewinnen! Noch ein ungünstiger Faktor…

    Wenn also die Reformation einen Gedenktag haben s o l l, der in allen denkbaren Bezügen in die Weite führt, ist der 31.10. nicht die erste und sicherlich nicht einmal die zweite Wahl.

    Nebenbei: Mich würde tatsächlich interessieren, ob die kritischen Stimmen hier doch nur zu einer mäkelnden Minderheit gehören. Ich kann mich nicht erinnern, dass dies kirchenintern, unterhalb der Leitungsebenen jedenfalls in meinem Umfeld schon einmal erhoben wurde…

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  17. Dr. Albrecht Weber

    Wie berichtet, haben inzwischen die Regierungschefs von vier norddeutschen Bundesländern (Weil: Niedersachsen, Sieling: Bremen, Scholz: Hamburg und Günther: Schleswig- Holstein) ihren Parlamenten empfohlen, den 31. Oktober als einen weiteren Feiertag einzuführen. In der Tat: Norddeutschland hat im Vergleich zu Süddeutschland einen Nachholbedarf an Feiertagen. (In allen neuen Bundesländern, von Berlin abgesehen, ist der 31. Oktober schon Feiertag!)

    Als pensionierter ev. Pfarrer bin ich natürlich für einen christlich motivierten Feiertag, kenne aber auch die Einsprüche der Juden und der katholischen Bischöfe Niedersachsens, die den Reformationstag als von der Spaltung der Kirche belastet ansehen. Daher habe ich in Schreiben an sie und evangelische Landeskirchen den Vorschlag gemacht, den 31. Oktober als ÖKUMENISCHEN TAG DER ENEUERUNG zu begehen.

    Die Idee der Erneuerung ist in der Geschichte der Kirche tief verwurzelt und wurde von dem II. Vatikanum (1963-65), dem letzten römisch-katholischen Weltkonzil, bestätigt („ecclesia semper reformanda“= die Kirche bedarf der steten Erneuerung!). Wenn sich an einem solchen Tag katholische und evangelische, ja auch orthodoxe und freikirchliche Gemeinden in ökumenischen Gottesdiensten dieser einen Thematik widmen würden, wäre es ein gewaltiges weltweites Signal und ein nachhaltiger Schritt zu mehr Einheit der Kirche und Vertiefung des Glaubens.

    Kirchlich nichtgebundene Bürger, unter Einschluss der Anhänger nichtchristlicher Religionen, müssten deshalb nicht abseits stehen. Sie könnten an einem solchen Tag ebenfalls etwas zur Erneuerung der Gesellschaft beitragen!

    Delmenhorst, den 06.02. 2018
    Dr. Albrecht Weber, Pastor i.R. (ehemals „Senior“ der Ev. Synode Deutscher Sprache in GB und Vizepräsident des Lutheran Council of GB)

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  18. Ch. Kalthoff

    @ Hartmut Göbert:
    Da ist mir ein Tag der Menschenrechte als gesetzlicher Feiertag lieber.
    Die sind universell – oder sollten es doch sein. Ihre Themen Freiheit und Mündigkeit hätten unter dem Thema Menschenrechte ihren Platz.

    Ein Tag der Menschenrechte ist darüber hinaus eine Einladung des Dialogs sowohl mit der Zivilgesellschaft als auch mit andern Religionen. Beides ist nötig.

    Die Zeit des Konfessionalismus aber ist vorbei. Und dafür stünde m.E. der Reformationstag als gesetzlicher Feiertag.

    Antworten
  19. Hartmut Göbert

    Ich unterstütze den neuen Feiertag am 31. Oktober – der Tag des Thesenanschlags und nicht gedacht als „Luthergedenktag“. Die Sprengkraft der sozialpolitischen und theologischen Thesen hat zwar zur Spaltung der Kirche geführt, aber langfristig auch zur absolut notwendigen Reform der katholischen Kirche. Um die Wirkung der Reformation auf den Punkt zu bringen: Der Geist der Thesen und damit die Bedeutung dieses Tages liegt in dem Freiheitsaufbruch, dem Mehr an Mündigkeit der Menschen! Und dies ist einen Feiertag wohl wert!

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  20. Jürgen Loest

    Heute die Meldung: Die Ministerpräsidenten der norddt. Bundesländer sind für den Reformationstag. Die Verantwortlichen der Konföderation sind dafür. Auf der Homepage der Landeskirche eine Kampagne mit Filmen, einheitlichen Plakaten der Regionalbischöfe/in mit ihren Voten. Ebenso auf facebook, Twitter. das macht man auch nicht mal so in zwei Wochen.
    Es geht wohl mit der Kampagne und dieser Homepage eher darum, eine gefallene Entscheidung irgendwie zu „unterfüttern“.
    Hätte ich mir auch irgendwie denken können. Wie so oft schon: „Schön dass wir mal drüber geredet haben!“
    Das Ganze kommt mir so vor, als wollten Regierungen und Kirchen zusammen Freibier ausschenken (das übrigens andere auch noch bezahlen sollen). Regierung gestaltet die Flaschen, Kirchen den Inhalt. Nur dass vielen leider der kirchliche Inhalt nicht mundet, und sie den schnellstens auskippen. Die Flaschen- die finden sie cool. Und in die füllen sie rein, was ihnen schmeckt: Freie Zeit und vor allem gemeinsame freie Zeit. Na dann mal : Prost

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  21. W. Liekefett

    Ich halte einen weiteren kirchlichen Feiertag für nicht vertretbar .Wir nähern uns immer mehr einer multireligiösen wie multikulturellen Gesellschaft und darauf gilt es Rücksicht zu nehmen .
    Ein weiterer kirchlicher Feiertag macht ansonsten nur Sinn ,wenn er wirklich inhaltlich gestaltet wird und da reicht nicht ein !0.00 Uhr Gottesdienst . Vielleicht als Fest der Kulturen und /oder Religionen ,also interreligiös. Übrings wählen wir den 31.10.werden uns die Anhänger von Halloween dankbar sein ,endlich haben sie einen Feiertag !!!!!!!!!!

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  22. Andreas Schilling

    Ich teile die Auffassung von Herrn Loest voll und ganz. In den östlichen Bundesländern hat die Einführung christlicher Feiertage nach der „Wende“ keine Impulse gebracht, die fortschreitende Entkirchlichung aufzuhalten. Zusätzliche freie Tage werden von der Gesellschaft lediglich dankend mitgenommen. Die fehlende Sprachfähigkeit im Glauben ist das Kernproblem.

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  23. Wolfgang Richter

    Ralf Krüger schrieb:
    „Ob der Johannistag (24. Juni) ein geeignetes Datum ist, einen gesetzliche Feiertag inhaltlich zu füllen, wage ich anzuzweifeln. Ich kenne keine lutherische Kirchengemeinde in der näheren Umgebung, wo dieser Tag eine Rolle spielt. Wenn es sich nicht allein um einen freien Tag handeln soll, können den Johannistag auch nur die christlichen Kirchen inhaltlich füllen.“
    Lieber Herr Krüger, danke für die Reaktion auf meinen Johannistag-Vorschlag. Nur: Das, was Sie über den Johannistag schrieben gilt auch für den Buß- und Bettag: Inhaltlich können auch ihn nur die Kirchen füllen. Egal welcher Feiertag es sein soll: Wir müssne uns fragen, ob wir als Chirsten heute überhaupt die geistliche Kraft und die Phantasie haben, einen Tag, für den wir plötzlich den Feiertagsschutz des Staates geschenkt bekommen zu prägen. Beim Reformationstag würde das besonders schwer – erstens weil er in der Tat von Halloween überlagert ist und der Feiertagsschutz diesem Mumpitz vermutlich sogar mehr nützen würde als der reformatorischen Botschaft. Zum zweiten müssten wir in diesem Fall das mit der christlichejn Prägung als Evangelische alleine wuppen (selbst wenn wir dabei „ökumenisch offen“ agieren wollten und würden). Der scheidet also in der Tat aus. Beim Bußtag können wir zwar auf mehr Erfahrung zurückgreifen als an Johannis, weil wir dne schon mal hatten. Andererseits stimmt es: Diesem tag hat die Abschaffung de sFeiertagsschutzes nicht egschadet, im gegenteil. Passt auch zu diesem Tag, weil es doch um eine „Umkehr im Alltag“ geht. Er ist für mich ein sinnvoller Besinnungstag, aber kaum ein „FEIER“-Tag. Für dne Johannistag könnte man, nicht zuletzt wegen der Jahreszeit, viel mehr Phanatsie entwickeln (ich hätte jedenfalls mehr Lust dazu), daraus etwas zu amchen, gerade die vor einigen jahren erfundenen Tauffeste (eine der wenigen wirklich ERFOLGREICHEN Ideen der letzten Jahre) könnten dadurch nochmal einen Schub bekommen.

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  24. Ralf Krüger

    Im ersten Moment hatte ich mich als lutherischer Pastor gefreut, dass darüber nachgedacht wird, den Reformationstag nach dem Jahr 2017 wieder als gesetzlichen Feiertag einzuführen. Mittlerweile spreche ich mich aber deutlich dagegen aus.

    Ich möchte die Kritik, die von katholischer und jüdischer Seite vorgebracht wird, ernst nehmen. Ausdrücklich wies doch Landesbischof Ralf Meister am 24. Januar 2018 mit Bezug auf die Kirchenverfassung alle Kirchengemeinden darauf hin, dass am Sonntag Septuagesimae in diesem Jahr der zeitliche Zusammenhang mit dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, dem 27. Januar, im Blick sein sollte. Die Landeskirche „achtet seine (des jüdischen Volkes!) bleibende Erwählung zum Volk und Zeugen Gottes. Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie fördert die Begegnung mit Juden und Judentum“, so heißt es in der Mail an die Kirchengemeinden und Einrichtungen der lutherischen Landeskirche. Und dann spielen die Einwände unserer jüdischen Geschwister im Blick auf den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag keine Rolle?

    Es ist auch absolut zutreffend, was in diesem Forum zur Überlagerung des Reformationstages zu Halloween gesagt wurde.

    Wenn über die Einführung eines weiteren staatlichen Feiertages nachgedacht wird, würde ich den Buß- und Bettag bevorzugen, auch wenn dies die in den letzten Jahren bei uns geübte Gottesdienstpraxis – morgens mit Schülern, vormittags zur traditionellen Zeit mit der „normalen“ Gottesdienstgemeinde, nachmittags mit den Senioren und abends zusammen mit der Nachbargemeinde – „untergräbt“. So viele Gottesdienstbesucher hatten wir nie, als der Tag noch ein gesetzlicher Feiertag war. Aber ein gesetzlicher Feiertag in der Herbstzeit würde allen Bürgern eine kleine Unterbrechung des Alltags bescheren, die die christlichen Kirchen – und doch ganz bestimmt auch die jüdische Gemeinde – nutzen können, um zur Buße, zur Umkehr aufzurufen. Gehen wir noch einen Schritt weiter, so können sicherlich auch die muslimischen Gemeinden einen solchen staatlichen Feiertag mit Inhalt füllen.

    Ob der Johannistag (24. Juni) ein geeignetes Datum ist, einen gesetzliche Feiertag inhaltlich zu füllen, wage ich anzuzweifeln. Ich kenne keine lutherische Kirchengemeinde in der näheren Umgebung, wo dieser Tag eine Rolle spielt. Wenn es sich nicht allein um einen freien Tag handeln soll, können den Johannistag auch nur die christlichen Kirchen inhaltlich füllen.

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  25. Dirk Woltmann

    Ich schließe mich den kritischen Kommentaren an und kann alle entsprechenden Argumente mittragen!
    Die Erfahrungen im Jubiläumsjahr 2017 waren in vielen Gemeinden wunderbar. Aber mir scheint ein längerer zeitlicher Abstand nötig, um diesen Hipe richtig einzuordnen. Einen weiteren Feiertag würde ich auch begrüßen. Er sollte aber aus meiner Sicht weniger konfessionell verankert sein. Aller Reformationstag-ist-Ökumene-Rhetorik zum Trotz ist dessen Verankerung doch mehr als deutlich, und der Weg, gemeinsam das Jubiläum zu begehen, war mühsam genug. Warum nicht einen wirklich ökumenischen Tag indentifizieren! (Wobei ich mir nicht sicher bin, ob nicht ein „Tag der Religion“ an der Zeit wäre…)
    Gerade beim Lesen der Argumente von Kirchenpräsident Dr. Heimbucher wird mir das noch deutlicher! Ich halte sie nicht für stichhaltig.
    Auch ich bitte daher um – nüchterne! – Prüfung, ob der Reformationstag wirklich geeignet ist. Offensichtlich ist die bisherige Diskussion (war es bisher eine?) mit zu wenig Bodenhaftung geführt worden. Das wird nicht nur in den ersten Kommentaren, sondern auch im Gespräch mit KollegInnen deutlich. Im Blick auf unseren Gemeinden und darüber hinaus auf unsere Gesellschaft scheint mir das nicht anders zu sein.

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  26. Werner Prieß

    Ich finde den Reformationstag auch sehr ungeeignet, auch im Umgang mit den anderen Konfessionen und Religionen in Niedersachsen.
    Aus meiner Sicht wäre der Buß- und Bettag viel besser geeignet, weil auch „die anderen“ diesen Tag leicht mit Inhalt für sich füllen könnten.

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  27. Birgit Spörl

    Auch ich halte die Wahl des Reformationstages als neuen Feiertag für keine gute Idee.
    Unsere Gemeinden sind am Stadtrand Bremens gelegen; seit Jahren verfolge ich in der hiesigen Presse die immer wiederkehrenden Klagen von Atheisten über das Tanzverbot am Karfreitag und Ewigkeitssonntag und die mangelnde Bereitschaft, kirchlichen Feiertagen in Würde zu begehen oder auch nur zu akzeptieren. Den Angriffen würde bald der Reformationstag zugeordnet, zumal er schon jetzt medial von Halloween überlagert ist in Presse und Radio (auch in den öffentlich-rechtlichen Sendern von NDR und Radio Bremen; 2017 bildete eine Ausnahme, da wurde der Reformationstag überhaupt einmal zur Sprache gebracht) und auch in der Feierkultur, selbst in Schulen!
    Als willkommener Brückentag wäre es noch schwieriger, etwa Konfirmandinnen und Konfirmanden in kirchliche Veranstaltungen einzubinden; für die Gestaltung des kirchliche Lebens würde ich den Tag als freien Tag nicht als Bereicherung erleben.
    So wunderbar das Reformationsfest unseres Kirchenkreises Osterholz-Scharmbeck auch gewesen ist: Es war – eben als Jubiläum –
    etwas Einmaliges.

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  28. Ulrike Schimmelpfeng

    Ich befürworte einen weiteren Feiertag in Niedersachsen, bitte aber die Verantwortlichen, noch einmal zu prüfen, ob der Reformationstag wirklich der beste Tag ist. Inhaltlich halte ich den Buß- und Bettag in einer Gesellschaft, deren Fehlerfreundlichkeit und Barmherzigkeit meiner Beobachtung nach kontinuierlich abnimmt, für wesentlich geeigneter. Ein solcher Feiertag, an dem es um den Umgang mit Schuld und die Schwierigkeiten des Schuldeingestehens und Vergebens gehen kann, ist relevant für alle christlichen Konfessionen, ist interreligiös thematisierbar insofern, als dass auch jüdische und muslimische Gemeinden dieses Thema aufgreifen können und kann sogar ein bedenkenswerter Aspekt für Atheisten sein. Auch die Dimension des gnädigen Gottes, den wir am Reformationstag betonen, ist im Buß- und Bettag enthalten.

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  29. Ch. Kalthoff

    Ich spreche mich gegen den Reformationstag als Feiertag aus.
    Im Bewußtsein der meisten Mitmenschen ist dieser Tag Halloween (geworden). 2017 konnte ich vermehrte Parties zu diesem Anlaß beobachten, mit nicht immer lustigen Begleiterscheinungen.
    Als Feiertag böten sich an:

    a) Johannistag – bei letzteren schließe ich mich den Argumenten von W. Richter an.
    Oder
    b) Buß- und Bettag. Dieser Tag wird allerdings hier vor Ort – wie auch an vielen andern Orten – mit einem Gottesdienst gefeiert, der in einer BBS geplant und vorbereitet wird. Das sind sehr ansprechende, gut besuchte Gottesdienste. Ein Feiertag bedeutete das Ende dieser Tradition, und das wäre schade und das Gegenteil, dessen, was die Initiative erreichen möchte.

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  30. Wolfgang Richter

    Mein Vorschlag für einen zusätzlichen Feiertag im Norden: Wir sollten uns, anstatt für dne Reformationstag zu werben, ökumenisch darum bemühen, den Johannistag (24. Juni) zum Feiertag zu machen.
    Folgende Gründe sprechen dafür – gerade auch im Vergleich mit dem bisher meistens vorgeschlagenen Reformationstag:

      1. Theologisch ist Johannes der Täufer wichtiger als Martin Luther und die Reformator/inn/en; denn er ist eine biblische Gestalt als Vorläufer und Wegbereiter Jesu Christi. Vermutlich würde auch Martin Luther dieser Behauptung zustimmen. Und wenn es mit Luthers These 1 darum geht, deutlich zu machen, dass unser ganzes Leben eine Buße sein soll, dann hat Martin Luther damit ja nur erneut wiedergegeben, was Johannes gepredigt hat. Das heißt: Die reformatorische Botschaft ist im Johannistag mitenthalten.
      2. Ökumenisch / Interreligiös: Der Johannistag ist nicht rein evangelisch, sondern für alle christlichen Konfessionen gleich. Zusätzlich ist er, obwohl aus christlicher Tradition stammend, auch für Muslime „anschlussfähig“: Johannes der Täufer wird auch von Muslimen als bedeutende Persönlichkeit der Glaubensgeschichte anerkannt. Auch dem Dialog mit dem Judentum kann eine Besinnung auf Johannes förderlich sein.
      3. Tradition: Der Johannistag ist im Brauchtum bis heute stark verankert, z.T. sogar wieder stärker ins Bewusstsein getreten.. Er gilt als Abschlusstag der Spargel- und Rhabarber-Ernte, Pflanzennamen wie Johannistreu und Johanniskraut erinnern an seine Bedeutung und vor allem der Brauch des Johannisfeuers („Mittsommer“) ist eine Tradition, die auch in Deutschland schon immer präsent war, im Zuge des Zusammenwachsens Europas aber in der jüngeren Vergangenheit vor allem in Norddeutschland immer häufiger aufgegriffen wird, da sie im benachbarten Skandinavien weit verbreitet ist („St.Hans-Dag“)
      4. „Gleichmäßige Verteilung“ / Platz im Jahreskreis – Der Termin im Juni sorgt eher für eine gleichmäßge Verteilung von Feiertagen übers Jahr als der Reformationstag (im Oktober wird auch der Tag der dt. Einheit begangen) und ist als sommerlicher Feiertag jahreszeitlich attraktiver – Das bietet eine größere Vielfalt an Chancen für kirchliche Veranstaltungen (Freiluftgottesdienste, Tauffeste, Gemeindefeste, Regionalgottesdienste mit Radtouren und Wanderungen, Pilgeraktionen …). Vermutlich fördert der sommerliche Termin im Jahreskreis aber auch die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz dieses Tages – auch wer nicht an kirchlichen Feiern dieses Tages teilnehmen will, wird den Christen für einen freien Tag im Sommer besonders dankbar sein …

    Kurz: Der Johannistag ist in Theologie und Tradition gut begründet, in besonderer Weise ökumenisch verantwortbar, er ist interreligiös und gesamtgesellschaftlich anschlussfähig und jahreszeitlich attraktiv.

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  31. Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher

    Der Reformationstag macht Sinn

    Ich würde mich darüber freuen, wenn in Norddeutschland künftig jährlich der Reformationstag ein allgemeiner Feiertag wäre. Auch unsere Evangelisch-reformierte Kirche tritt dafür ein.

    1. Dieser Feiertag ist eine hervorragende Gelegenheit zur Besinnung auf „Reformation“ als eine Aufgabe für Kirche und Gesellschaft.

    Ich möchte, dass wir als Kirchen auch künftig den Reformationstag als Gelegenheit wahrnehmen, den Erneuerungsimpuls der Reformation aufzunehmen, ihn in die Gesellschaft hineinzutragen und im Gespräch auch mit Menschen anderen Glaubens zu entfalten. Denn nicht allein die evangelische Kirche, sondern jede Religion und jede Weltanschauung braucht Reformation und die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Schattenseiten.

    2. Der Tag ist nur im ökumenischen Miteinander sinnvoll.

    An vielen Orten haben evangelische Christen im Jahr 2017 die Gemeinschaft mit römisch-katholischen, freikirchlichen und orthodoxen Christen noch intensiver erlebt als bisher. Diese ökumenische Verbundenheit im Anliegen einer Reformation von Kirche und Gesellschaft wollen wir nicht wieder preisgeben.

    3. Die Anliegen der Reformation, Kirche und auch Gesellschaft zu verändern, werden durch den Antijudaismus vieler Reformatoren nicht entwertet.

    Der für die Reformationszeit typische Antijudaismus, verbunden mit der zuweilen maßlosen Hetze Luthers, ist von der evangelischen Kirche als theologischer, politischer und menschlicher Irrweg mit schrecklichen Folgen erkannt und deutlich benannt.

    Ich respektiere es, dass in den Ohren vieler jüdischer Mitbürger eine Feier, die sich auch auf Luthers Anstöße zur Reformation bezieht, nur schwer erträglich ist. Aber die Auseinandersetzung vieler christlicher Konfessionen mit dem Antijudaismus und Antisemitismus in ihrer eigenen Geschichte zeigt: Reformation tut not und kann zu Veränderungen in den Einstellungen beitragen.

    4. Der Reformationstag darf kein Kult um Luther sein.

    Martin Luthers mutiges Auftreten insbesondere auf dem Reichstag in Worms bleibt in vieler Hinsicht beispielhaft. Dennoch darf der Reformationstag kein Kult um Luther sein. Wir haben den Reformationstag 2017 als evangelische Kirche nicht in Erinnerung an eine Person gefeiert und können das auch in Zukunft nicht tun.

    Kirchenpräsident Dr. Martin Heimbucher
    Evangelisch-reformierte Kirche
    Leer, 26. Januar 2018

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  32. Ingo Reimann

    Als langjähriger Praktiker vor Ort möchte ich mich gegen den Reformationstag als Feiertag aussprechen.

    Zum einen kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich das Höhepunkt-Erlebnis des Reformationstages 2018
    wiederholen lässt, zumal eine Dekade lang darauf hin gearbeitet worden ist.

    Zum anderen wird der Reformationstag als weiterer „Brückentag“ genutzt werden. Wir werden dann bis in unsere ehrenamtlichen Gruppierungen hinein damit zu kämpfen haben, dass für besondere Gottesdienste und Veranstaltungen Menschen nicht zur Verfügung stehen, weil sie das verlängerte Wochenende für Kurzurlaube und andere Aktivitäten nutzen. Erschwerend war bereits bisher, dass der Reformationstag oft in den Herbstferien liegt.
    Theologische Bedenken sind darüber hinaus in ausreichendem Maße vorhanden, insbesondere die „Ausfälle“ Luthers gegenüber den Juden, den aufständischen Bauern, den Wiedertäufern, und, was gerne verdrängt wird, gegenüber den seiner Meinung nach mit Recht zu bekämpfenden und zu vernichtenden „Hexen“, wie immer wieder als Randbemerkungen zum Reformationsjubiläum zu lesen war.

    Mit all diesen Überschattungen sehe ich einem Reformationstag als gesetztlichem Feiertag mit Sorge entgegen.

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  33. Sabine Kafert-Kasting

    Als überzeugte Protestantin möchte ich eindringlich dafür eintreten, den Reformationstag NICHT zum Feiertag zu machen. Ich bin erstaunt, dass in der Debatte nirgends erwähnt wird, was doch auf der Hand liegt: dass ein freier Tag am 31. Oktober hauptsächlich zum vermehrten Aufkommen von Halloween-Parties führen wird. Die evangelische Kirche kämpft ja schon seit Jahren mit der Überlagerung des Reformationstages durch dieses bestenfalls katholische, aber in der Praxis doch eher heidnisch-kommerzielle „Brauchtum“. Was könnte dem gruseligen Halloween-Treiben mehr Vorschub bereiten, als die Möglichkeit, hineinzufeiern und am nächsten Tag auszuschlafen?

    Ich habe nichts gegen lustige Kostümfeste, aber wenn man einen religiösen Feiertag einführen möchte, tut man mit dem 31. Oktober sich und dem Reformationstag keinen Gefallen – von den bekannten Vorbehalten anderer Konfessionen und Religionen einmal abgesehen. Ich möchte vielmehr für die Wiedereinführung des Buß- und Bet-Tages in Niedersachsen plädieren. Dieser hat eine lokale protestantische Tradition und bietet mit seinem Leitgedanken meiner Meinung nach für Angehörige aller Religionen und auch für Menschen, die sich für areligiös oder jedenfalls kirchenfremd erklären, eine Gelegenheit, das eigene Leben zu reflektieren und vor sich selbst (und ggf. vor Gott) Rechenschaft abzulegen.

    Ein Buß- und Bet-Tag im Jahr steht jedermann gut zu Gesicht und hat ja auch seinen festen Platz in der Tradition anderer Religionen; er könnte somit gut auch konfessions- und religionsübergreifend gestaltet werden. Aus volks- und betriebswirtschaftlicher Sicht kommt hinzu, dass er immer auf dem Mittwoch liegt, somit keine Anreize zu Brückenschlägen gibt. Wenn der Buß- und Bet-Tag so als Insel in der Mitte der Woche frei ist, kann man vielleicht wirklich nicht viel mit ihm anfangen außer tatsächlich einen Gottesdienst oder eine sonstige passende Veranstaltung zu besuchen, zur Ruhe und Einkehr zu kommen – und dann mit der Weihnachtsbäckerei zu beginnen, damit rechtzeitig zum 1. Advent die Plätzchen schon durchgezogen sind.

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  34. Juergen Loest

    Ich unterstütze die gesamte Initiative nicht. Und sage das auch deutlich. Auch den Abgeordneten.

    Erfahrung I: im katholischen Eichsfeld haben wir immer Reformationstag gefeiert, während das Leben um uns herum weiterging: Schule und Betrieb. Ich ging zur Schule, von dort aus in den Gottesdienst, von dort aus in die Schule. Mein Vater ging nach der Werkstatt abends.

    Erfahrung II: im Pfarrdienst im Osnabrücker Land haben wir im katholischen Neuenkirchen ( da waren Evangelische eigentlich so was wie Marsmännchen ( ah-ja- die gibts auch noch!) ) einen Grundschulgottesdienst der gesamten Schule zum Reformationstag eingeführt, genauso wie kathol. Feiertage mit der gesamten Schule gefeiert wurden. Das war wichtig.

    Erfahrung III: Mit der Abschaffung des Buß-und Bettages haben wir eine wunderbare Kreativität entwickelt , mit Schulen und Kindergärten Gottesdienste vorbereitet und gestaltet. Wir haben nie so viele Gottesdienste gefeiert wie nach Abschaffung des Feiertages. Wunderbar.

    Wir brauchen keine neuen Feiertage. Es nervt mich, wenn christl. Glaube als Feigenblatt benutzt wird, um an Feiertagen etwas anderes zu machen. Pfingsten sind die Schützenfeste, Himmelfahrt wird an vielen Orten gesoffen etc.pp.

    Fazit: Wir brauchen keine neuen Feiertage, auch keinen neuen Reformationstag.

    Es ist unsere Aufgabe, unter den Bedingungen eines auf der einen Seite säkularer ,auf der anderen Seite multireligiöser werdenden Umfeldes das Evangelium zur Sprache zu bringen. Die Einführung neuer Feiertage hilft da m.E. überhaupt nicht. Sie gestaltet von oben verordnete Fassade, wo Flexibilität und Substanz unter den Bedingungen dieser Gesellschaft gefragt ist.

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