Lernen

Der Reformationstag ist ein jährlicher Tag im Zeichen des Aufbruchs zum Gespräch und zur Versöhnung. Die Gestaltung des Tages eröffnet die Möglichkeit, dass die unterschiedlichen christlichen Konfessionen, Religionsgemeinschaften und weitere gesellschaftliche Gruppen über gesellschaftliche Zukunftsthemen miteinander ins Gespräch kommen.

Weder die Reformation noch Luthers Theologie werden von Historikern wie Theologen als bloße Befreiungsgeschichte gesehen. Von Luthers judenfeindlichen Schriften bis zu den Konfessionskriegen gibt es genug kritische Aspekte, die betrachtet und diskutiert werden müssen. Reformation ist eine Geschichte des Lernens.

Alle evangelischen Kirchen haben sich klar gegen jede Form des Antisemitismus gestellt, sich eindeutig von den judenfeindlichen Schriften Martin Luthers distanziert und von der Liturgie über die Bibelauslegung bis zu ihren Verfassungstexten vergangene Haltungen überprüft, ergänzt und revidiert. Für das konstruktive und dialogische Miteinander von Judentum und Christentum in Deutschland gibt es eine mehr als 50-jährige positive Geschichte.

Aus den Ereignissen des 16. Jahrhunderts und deren Auswirkungen, die bis ins 21. Jahrhundert reichen, ergibt sich eine Geschichte des Lernens, die für die evangelische Kirche ein fortwährender Auftrag zur Versöhnung ist: Die durch die Reformation hervorgerufene Spaltung der Kirche muss überwunden werden, da die Zukunft der Kirchen nur eine ökumenische sein kann. Der von der evangelischen und katholischen Kirche initiierte Versöhnungsgottesdienst am 11. März 2017 in Hildesheim verstand sich als Kern eines „Healing-of-memory“-Prozesses und stärkte mit Versöhnungsgesten die Zukunft der Ökumene.

Eine Lerngeschichte

Versöhnt miteinander

Die Impulse der Reformation aufnehmen und wechselseitig voneinander lernen: dazu ruft die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) in ihrem Wort zu 500 Jahre Reformation unter dem Titel „Versöhnt miteinander“ auf. Das Wort wurde auf der Mitgliederversammlung am 28. und 29. September 2016 im Haus St. Ulrich in Augsburg veröffentlicht.

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